Mein Bruder, mein Mann und ich haben unserer Mutter zum 80. Geburtstag einen Baum geschenkt. Letzten Samstag hieß es endlich Angießen im Bürgerwald Hamm-Uentrop: Wie jedes Jahr im November werden in einer feierlichen Pflanzaktion die Baumpaten mit einer Urkunde, Musikexpress-Parade sowie Speis & Trank geehrt. Meine Mutter hat sich riesig über das Geschenk gefreut. An ihrem Geburtstag wollen wir nun immer an ihrem Baum, einer Winterlinde, anstoßen.
Bäume sind Heiligtümer
Die Linde ist ein zauberhafter Baum voller Leichtigkeit und Licht – der Liebe, Freude, des Vertrauens und der Gerechtigkeit. Ihre Botschaft an die Menschen lautet: „Verliere nie Dein Lachen, tanze durchs Leben und nehme nichts allzu schwer, aber verlasse nicht den rechten Pfad.“ Diese Botschaft fanden wir besonders schön und war der Grund, warum wir uns für die Linde entschieden haben.
Hermann Hesse hat einmal gesagt: „Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen und zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit.“ Ich bin gespannt, welche Geschichten & Wahrheiten die Geburtstagslinde unserer Mutter eines Tages zu erzählen hat.
Die Symbolik der Bäume
Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht, heißt es. Und viel zu oft hören wir gar nicht hin. Dabei wohnt dem Baum eine vielfältige Metaphorik und Symbolik inne. Er steht für Entwicklung, Standhaftigkeit und Wachstum. Der Wald symbolisiert das kollektive Unbewusste, das Geheimnisvolle, Unbekannte und schwer Durchdringbare. Er steht für die ungezähmte, wilde Natur und repräsentiert häufig den Ort der Initiation, an dem es gilt, seine Lektion zu lernen, in der Wildnis zu überleben oder Geheimnisse zu lüften. Der Baum ist fest verbunden mit Mutter Erde und wächst gleichzeitig Vater Himmel entgegen. Mit seinen Wurzeln steht er auch für Halt, Widerstandskraft, Harmonie, Stabilität sowie für ewiges Leben.
Bäume als Verbindung zwischen Himmel und Erde
Bäume repräsentieren oftmals die Verbindung zwischen oben und unten, zwischen Himmel und Erde. Jeder Baum hat seine eigene Schönheit und Heilkraft. Viele Mythen und Märchen handeln von Bäumen oder spielen im Wald. Menschen werden auch als Kinder der Bäume bezeichnet. In diesem Zusammenhang habe ich gelesen, dass es viel über den Zustand einer Kultur aussagt, wie sie mit ihren Bäumen und ihren Wäldern umgeht. Nordamerikanische Indianer bezeichnen ihre Bäume als das „Stehende Volk“ und betrachten sie als unsere nächsten spirituellen Verwandten.
Der Baum als Spiegel vom eigenen Sein
Nicht zu vergessen, dass der Baum unsere Lebensgeschichte vom eigenen Sein, Werden und Vergehen im Wechsel der Jahreszeiten widerspiegelt. Sie zeigen uns, dass wir uns auf uns selbst zurückbesinnen sollen und bieten dafür im Wald einen wunderbaren Ort der Stille und Selbsterkenntnis. So wie wir hat jeder Baum seine eigene Natur, seine eigene Geschichte, wie an seiner Rinde zu erkennen. Immer, wenn ich in den Wald gehe, werde ich automatisch ruhiger und genieße die manchmal andächtige Stille. Jeder Baum entfaltet seine ganz eigene erhabene Schönheit. Bäume verströmen Prana, Lebensenergie, und bieten vielen Tieren und Organismen einen Lebens- und Schutzraum. Als wichtigster „Primarproduzent“ produzieren sie mithilfe von Chlorophyll und Sonnenlicht aus Wasser und Kohlendioxid Kohlenhydrate und Sauerstoff, die Grundlagen für alles weitere Leben. Es ist erwiesen, dass Terpene – das sind Duftstoffe, die Bäume absondern – Dein Immunsystem stärken, Stress abbauen und erdend wirken, während Du durch den Wald spazierst.
Raum für Sein und Seele
Der Wald mit seinen Bäumen und Tieren in all seiner Pracht ist für mich in den letzten Jahren mehr und mehr zum Raum für Sein und Seele geworden. Ein Ort, an dem ich Trost und Antworten finde, ein Ort, an dem ich immer willkommen bin. So kam ich schließlich auch auf meinen Slogan „Sat Mantra Yoga – Raum für Sein & Seele“. Vielfach wird der Wald in Thrillern oder Horrorfilmen als Ort des Bösen, der Unholde und der Dunkelheit dargestellt, als Ort der Angst, von dem es sich weit fernzuhalten gilt. Merkwürdig, oder? Dabei ist der Wald ein Ort der Heilung, Initiation, Magie und zauberhaften Geheimnisse. In der Mythologie fungieren Bäume als Sitz der Götter, Tor zur Anderswelt und zur Welt der Ahnen und bildeten als Versammlungsplatz oft das Zentrum einer Lebensgemeinschaft.
Der Weltenbaum als geistiges Prinzip
So steht der Weltenbaum Yggdrasil als geistiges Prinzip für eine energetische Achse des Kosmos durch alle schamanischen Kulturen. Als Spiegel des Universums und als Mittler zwischen den drei Welten verkörpert er in der schamanischen Kosmogonie die Unterwelt, die Mittlere Welt und die Obere Welt.
Die Obere Welt steht für das Höchste Selbst, Spiritualität, Transzendenz, Kreativität und innere Führung. Die Mittlere Welt vereint das fassbare Alltagsbewusstsein, die Erde, den Ort der Manifestationen. Die Untere Welt schließlich steht für das Animalische, Ursächliche, die Ahnen, die Verbindung zur ureigenen Kraft und zum Schatten in mir.
Bäume und unser spirituelles Erbe
Am Umgang einer Gesellschaft mit ihren Bäumen lässt sich vieles über das Verhältnis von uns Menschen zu unseren eigenen „Wurzeln“, zu unserem kulturellen Erbe ablesen. Über Rituale, Meditationen und Gesänge können wir mit den Wäldern und ihren Bewohnern wieder Verbindung aufnehmen. Wenn wir ganz still sind, können wir vielleicht wahrnehmen, wie das Flüstern ihrer Seelen klingt. Wir können ihnen lauschen und schauen, was sie uns über uns, unsere Geschichte und unseren Weg zu sagen haben. Über die innige Arbeit mit Bäumen können wir uns zudem wieder mit spirituellen Traditionen, dem Wissen und der Kraft unserer Ahnen verbinden, die uns oftmals als verloren erscheint.
Der Baum als Ort der Selbstbegegnung
In der Stille ist der Baum auch ein Ort der Selbstbegegnung, und zwar einer noch viel intensiveren als auf der Yogamatte wie ich finde. Gerade im Herbst, wenn das goldene Laub von den Bäumen fällt, ist es schön, Dich mit einem Baum zu verbinden. Früher war es normal, wenn du als Kind einen Baum umarmt und mit ihm gesprochen hast. Warum geht das nicht auch als Erwachsener?
Und so kannst Du Dich mit „Deinem“ Baum verbinden:
- Schalte Dein Handy aus und verbringe viel Zeit in der Natur, mit allen Sinnen.
- Wenn Du tiefer in einem Wald Deinen Baum suchen willst, befrage zuerst den Hüter des Ortes, ob du eintreten darfst. Bitte ihn um Schutz bei der Suche nach Deinem Baum und ggf. Deiner rituellen Arbeit. Stelle dich und Deine Absicht vor und bitte um Erlaubnis.
- Wenn Du weiter in den Wald eingetreten bist oder an einem anderen Ort den Baum gefunden hast, der Dich besonders anspricht, versuche, sein Energiefeld wahrzunehmen.
- Was fällt dir auf? Welche Farben, Gerüche, Worte, Bilder, Bewegungen nimmst Du wahr?
- Betrachte ihn aus verschiedenen Entfernungen und Perspektiven.
- Sei offen für alles, was sich Dir zeigt.
- Frag, was Du für den Baum tun kannst.
- Bedanke Dich zum Schluss und hinterlasse eine Gabe, wie z. B. ein paar Sonnenblumenkerne, Rosinen oder Nüsse.
Erlebe Deinen Baum
Wie alles, was lebt, sehnen sich auch die Bäume danach, gesehen, wahrgenommen und berührt zu werden. Nachdem Du den Hüter des Ortes befragt hast, gehe zu dem Baum, der Dich besonders anspricht. Berühre ihn und tauche in sein Energiefeld ein. Beobachte „Deinen“ Baum auch während der verschiedenen Jahreszeiten. Nimm alles wahr, mit all deinen äußeren und inneren Sinnen, und lausche auf Botschaften, Worte, Bilder oder Töne, die in dir entstehen.
Welches Gefühl entsteht in Dir, was verändert sich in Dir durch den Kontakt zu diesem Baum? Spüre, wie Dein Energiefeld den Baum erreicht und ob oder wie er Dir antwortet. Vielleicht vernimmst Du auch nach einiger Zeit der Stille eine gemeinsame Frequenz, einen Ton.
Vergleiche die Botschaften „Deines“ mit denen anderer Bäume in der Nähe oder weiter entfernt. Wie unterscheiden sie sich, was haben sie gemeinsam? Irgendwann werden sich Wesen und Charakter dieses Lebewesens und seiner Bewohner Dir offenbaren, und Du wirst dieses Wissen niemals wieder vergessen.
Die Arbeit mit Bäumen bei Depression und Burnout
Die Arbeit mit Bäumen ist übrigens besonders gut für Menschen geeignet, die wenig oder keine Erfahrung mit energetischer Arbeit haben oder sich völlig getrennt von ihrem eigenen Sein, Spüren und Erleben fühlen. So kann die Verbindung mit Bäumen sehr heilsam sein für Menschen, die an Depressionen oder Burnout leiden. Der innige Kontakt mit Bäumen spricht alle Sinne an, wirkt beruhigend und zeigt Dir, dass Du neben der Baumseele von Mutter Erde und Vater Himmel vertrauensvoll gehalten wirst.
Die frische Luft, das satte Grün, der Duft von Harz, feuchtem Moos und Tannennadeln, das Rascheln des Laubes, das Spiel der Sonnenstrahlen auf einer Waldlichtung, das geheimnisvolle Knacken im Unterholz, das Singen der Vögel: All das schenkt Dir Ruhe und Zeit, endlich mal wieder bei Dir anzukommen. Du kannst Herz und Seele auf Reisen gehen lassen, Deine Feinfühligkeit samt Bewusst-Sein schulen bzw. stärken. Du kannst endlich wieder einmal durchatmen.
Schamanische Arbeit als Naturtherapie
Wie im Artikel Waldbaden: Gesundheitsförderung und psychisches Gleichgewicht inmitten der Natur finden zu lesen ist, wird sich zeigen, ob Naturtherapie künftig auch in Deutschland Teil des Gesundheitssystems wird (HIER geht es zum Artikel). Fest steht jedenfalls, dass eine positive Wirkung auf die Psyche bereits wissenschaftlich erwiesen ist.
Ich bin zwar kein „Naturtherapeut“, aber kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die schamanische Ritualarbeit, gerade weil man sich viel in der Natur aufhält und hier seine feinsinnige Wahrnehmung samt Intuition stärkt, ein Weg ist, der den Prozess von psychologischer Beratung und Psychotherapie ergänzt und den Klienten wieder neue Lebendigkeit spüren lässt, so dass er wieder in der Welt wirken kann (siehe hierzu den Artikel von Dörthe Huth, Psychologische Beraterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie).
Spüre Deinen Baum mit ganzem Herzen
Wie Du siehst, sind Bäume wundersame und bedeutungsvolle Lebewesen, die uns in guten wie in schlechten Zeiten auffangen können.
Also wenn es Dir mal nicht gut geht, umarme einfach einen Baum und spüre mit Deinem ganzen Herzen, was er Dir zu sagen hat. Lasse Deine Seele aufatmen und entdecke immer wieder von Neuem die Schönheit der Natur – auf dass Du gestärkt, mit leuchtenden Augen und kindlicher Entdeckerfreude von Deinem Baum zurückkehrst.
Aho & Sat Nam.
Willst Du Deine Spirits kennenlernen und mehr darüber erfahren, wie sie Dich bei Deiner rituellen Baumarbeit unterstützen können? Dann komme mit auf die schamanische Reise. Sie verkörpert den Kern des Schamanismus und ist ein wertvoller Erkenntnis- und Erfahrungsweg zur Quelle Deiner ureigenen Weisheit. Alle TERMINE findest Du HIER. Du bist herzlich willkommen!



